Das Leben bildet

Biographie, Individualität und die Bildung des Proto-Subjekts
Bildung – das ist der Gang meines Lebens, meiner persönlichen Biographie,
das, was ich aus meinem Leben gemacht habe und was mein Leben
aus mir gemacht hat. Individuelle Schlüsselerlebnisse wie Liebeserfahrung,
Krankheit, Scheitern, Todesnähe sind dabei prägend.
Dies ist allseits bekannt, kaum jedoch, dass sich die grundlegenden Bildungs-
prozesse überwiegend in einem vorsprachlichen Bereich abspielen:
In den frühkindlichen Phasen, in denen noch keine elaborierte Sprache
zur Verfügung steht, aber auch im späteren Leben geschieht vieles Lebens-
entscheidende unterhalb der Schwelle bewusster Reflexion.
Es entstehen Bilder von uns und der Welt, die als Arbeitsmodelle
für lebenspraktisches Handeln dienen. Das Ich in dieser Ebene bezeichnet
der Pädagoge und Psychoanalytiker Günther Bittner als Proto-Selbst.
In der autobiographischen Erzählung vergewissert sich dann das reflexive
Subjekt seiner Bildungsprozesse.

Diese sprachlichen Mitteilungen sind wertvolle Auskunftsquellen, um individuelle Bildungsgeschichten zu ergründen.
Auch psychoanalytische Krankheitsgeschichten können verdeutlichen, wie ein Mensch sich als der konstituiert hat,
der er in seinem Lebensverlauf geworden ist.

Vandenhoeck & Ruprecht