Das pädagogisch-therapeutische Konzept
„Stellen sie sich vor, was das heißt: Die Art und Weise der in unserem Gehirn angelegten Verschaltungen zwischen den Nervenzellen, die unser Fühlen und Denken und Handeln bestimmen, ist abhängig davon, wie wir diese Verschaltungen nützen, was wir also mit unserem Gehirn machen (…)“
Via nova – Der neue Weg. Worum geht es?
Eine kleine Gruppe von Jungen verbringt eine Zeit intensiver Erfahrung und Entwicklung mit sorgsam ausgewählten Betreuern auf einer Alm in Südtirol. Sie versorgen sich selber und übernehmen sinnvolle Aufgaben, die für sie und für die Gemeinschaft bedeutsam sind.
Das Zusammenleben ermöglicht ihnen, ihre Stärken zu entdecken, zu zeigen und weiter zu entwickeln. Ihre Schwächen lernen sie als Herausforderungen zu sehen und im Selbstmanagement – ohne medikamentöse Einwirkung – zu regulieren.
Via nova ist ein interdisziplinäres Konzept, das schon im Namen seine Hauptintention ausdrückt, neue Wege im Umgang mit AD(H)S-Konstellationen aufzuzeigen. Initiiert wurde es durch den Hirnforscher und Präsidenten des Stiftungsrates der SINN-STIFTUNG, Prof. Dr. Gerald Hüther (Universitäten Göttingen und Heidelberg/Mannheim).
Immer mehr Kinder werden aufgrund einer AD(H)S-Symptomatik mit Psychostimulanzien behandelt. Seit 1990 ist die Zahl der so therapierten Kinder um das Hundertfache angestiegen. Namhafte Forscher warnen vor den Langzeitfolgen. Und Pädagogen bestätigen, dass sich durch die Medikamente die besonderen Begabungen nicht mehr zeigen und entfalten können.
Darum hat die Sinnstiftung – in enger Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Gerald Hüther – dieses Angebot entwickelt. Es geht um ein verbindendes Konzept zwischen Erkenntnissen aus der dynamischen Hirnforschung, der systemischen Psychotherapie und einer Weiterentwicklung von reformpädagogischen Ansätzen.
Wir gehen davon aus,
- dass AD(H)S keine Erkrankung ist, die auf einem genetischen Defekt oder gestörten Hirnfunktionen beruht.
- dass weder die medikamentöse Therapie, noch viele bisher übliche psychotherapeutische Interventionen geeignete Verfahren zur Behandlung dieser sogenannten „AD(H)S-Kinder“ sind.
- dass es diesen (und wohl auch vielen anderen, unauffällig bleibenden Kindern) in unserer Gesellschaft – zum Beispiel in der Schule – an sinnvollen Aufgaben, stärkenden Gemeinschaften und authentischen Vorbildern fehlt, um ihre Potentiale entfalten zu können.
Das Pilotprojekt 2009
Im Sommer 2009 startet das erste Pilotprojekt auf einer Alm in Südtirol für Jungen mit der Diagnose AD(H)S.
Im Zentrum stehen die Schulung des Selbstmanagements im Alltag, sowie die sinnhafte, sinnvolle und erfahrungsreiche Lebensgestaltung in einer Gemeinschaft.
Dabei erleben sie engagierte, liebevolle Erwachsene, die ihnen Vorbild sind. Die persönlichen Entwicklungsprozesse werden therapeutisch und pädagogisch kompetent und sensibel unterstützt. Ohne Psychostimulanzien wird damit den Kids ermöglicht, Ihre Potentiale zu entwickeln.
Der natürliche Rhythmus der Natur und die besondere Wirksamkeit der körperlichen Arbeit, der Versorgung von Tieren und der Verzehr eigener Erzeugnisse sind wichtiger Bestandteil dieses zweimonatigen Programms mit begleitender Eltern- und Familienarbeit, sowie interkollegialer Vernetzung mit Ärzten, Lehrern und Therapeuten.
Theoretischer und wissenschaftlicher Hintergrund
Grundlage des Konzeptes von Via nova sind aktuelle biopsychosoziale Forschungen. Es geht um ein verbindendes Konzept zwischen Erkenntnissen aus der dynamischen Hirnforschung, der Epigenetik, der Resilienzforschung, der systemischen Psychotherapie und neuen Erkenntnissen aus der Entwicklungspsychologie mit Schwerpunkt auf sozialer und emotionaler Entwicklung. Für das praktische Leben und Begleiten der Kinder ist der Ansatz erfahrungsbasierten Lernens ausschlaggebend.
Initiator und wissenschaftlicher Leiter des Projekts ist der Neurobiologe Prof. Dr. Gerald Hüther. Ihm ist es ein Anliegen, neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zur Hirnplastizität und deren Konsequenzen der praktischen Pädagogik und Therapie verfügbar zu machen.
(Vertiefende Informationen und Publikationen: www.sinn-stiftung.eu)
Zielgruppe und Teilnahmevoraussetzungen
Via nova ist ein Potentialentfaltungsprogramm für Kindern mit AD(H)S-Symptomatik sowie deren Familien, die sich auf neue Wege in der Therapie und Entwicklungsförderung einlassen möchten.
Voraussetzungen für die Teilnahme:
- Alter zwischen 8 und 13 Jahren
- männliches Geschlecht
- ärztliche Diagnose AD(H)S, Aufmerksamkeitsdefizitstörung mit und ohne Hyperaktivität
- aktuelle medikamentöse Behandlung
- Bereitschaft, die Medikamente während des Programms abzusetzen
Pädagogisch-therapeutische Grundhaltung
Vertrauen in die Selbstwirksamkeit und Selbstregulation des Kindes, ggf. mit partnerschaftlicher Unterstützung, ist die Grundlage unserer pädagogisch-therapeutischen Haltung.
Hinzu kommt die Überzeugung, dass jedes Kind
- lernen möchte und dies mit den entsprechenden Voraussetzungen auch kann
- sich in seinem Potential entfalten und zeigen will
- anerkannt und zugehörig sein möchte
Die Aufgabe der begleitenden Erwachsenen ist es, den Kindern einen Lebensraum zu schaffen, in dem sie ohne Beurteilung wahrgenommen werden, geliebt und angenommen sind. Die Erwachsenen tragen die Verantwortung für die Kultur der Gemeinschaft, die Atmosphäre und die Gestaltung der Umgebung. Durch ihr Vorbild, ohne Druck und Überredung, begeistern sie die Kinder, all das zu tun, was notwendig ist für das alltägliche Zusammenleben. Sie legen Wert darauf, dass die Kinder möglichst authentische Erfahrungen machen können, achten auf klare Grenzen, verlässliche Regeln und Verbindlichkeit. Die gemeinschaftliche Verantwortung für die Kultur des Miteinanders und die Achtung der individuellen Bedürfnisse sind zentraler Punkt des Programms. In diesem sicheren Rahmen können die Kinder ein tragfähiges und schulrelevantes Selbstmanagement entwickeln.
Pädagogisch-therapeutische Grundlagen
Das transdisziplinäre Therapiekonzept zeichnet sich dadurch aus, dass – den individuellen Bedürfnissen und den Anforderungen der Gruppendynamik entsprechend – geeignete Formen zur kompetenzorientierten Unterstützung gefunden werden.
Therapeutisch-pädagogische Wurzeln:
- Systemische Sichtweise & beziehungsbezogene Arbeitsweise
- Teamkreis: Intensive Erlebnisse & Council-Reflexion
- Positive Peer Culture
- Resilienz- statt Defizitorientierung
- Familientherapeutischer Ansatz
- Verhaltenstherapeutische Elemente
- Naturpädagogik
- Elemente von Waldorf-, Montessori-, Freinet- und Erlebnispädagogik
- Soziale Netzwerkarbeit: Familie, Schule/Lehrer, Persönlicher Mentor (Zusammenarbeit mit „die komplizen“ www.die-komplizen.org)
Der Blick richtet sich nicht auf die Defizite und Schwächen, sondern vielmehr auf die Kompetenzen und Bewältigungsressourcen jedes einzelnen Kindes.
Wichtiger Bestandteil des Projektes ist es, dass die Kids und ihre Familien die Gelegenheit bekommen, drei Dinge zu erkennen:
- Veränderung und Selbstgestaltung sind möglich - Selbstwirksamkeitsprinzip
- Das Leben besteht aus prozesshaften Entwicklungen und Wechselwirkungen (nicht aus diagnostischen Festlegungen).
- Auffälligkeiten, Defizite und Schwächen können sich (vielleicht unerwartet) als Ausdruck von Bedürfnissen und/oder versteckten Talenten zeigen.
In unserer Arbeit mit den Kindern betrachten wir die unterschiedlichen Einflussfaktoren, deren Wechselspiel miteinander, und suchen vor allem nach möglichen Veränderungs- und Lösungsansätzen.
Ziel ist, dass die Kids durch die Erfahrungen dieser zwei Monate innere Stärke entwickeln, die sie in die Lage versetzt, zu Hause und in der Schule – möglichst ohne medikamentöse oder psychotherapeutische Behandlungen – zu zeigen, was sie können.
Verlauf des Pilotprojektes
Vorbereitung
- Vorgespräche mit der Familie, Kontaktaufnahme mit der Schule und anderen wichtigen Bezugspersonen
- Erarbeitung eines Gesamtbildes für jedes Kind, d.h. neben den Schwierigkeiten sind vor allem auch Talente, Potentiale, Bedürfnisse, Gewohnheiten, Vorlieben, Erfahrungen, Eigenschaften, Interessen enthalten
- Sorgfältige Auswahl hochqualifizierter Betreuer, die die Grundhaltung des Konzeptes mit Leben füllen können
- Intensives Briefing und Weiterbildung für das Betreuungs- und Förderpersonal
Intensivzeit
- Zweimonatiger Almaufenthalt der Kids mit Selbstversorgung
- Besuchs- und Aktionstage für Eltern und Geschwister
- Workshop und begleitende Unterstützung für Eltern und Geschwister
- Supervision für das Betreuer- und Therapeutenteam
Wiedereingliederung
- Begleitung durch einen Mentor vor Ort
- Mail- und Telefon-Kontakte zum Alm-Betreuer/ Via-nova-Internet-Forum
- Nachfolgetreffen für die Familien
- Mentoring für die Kinder durch einen jungen Erwachsenen (www.die-komplizen.org)
- Selbsthilfe-Initiative mit Experten-Coaching
Die Almzeit: Erleben von Selbstwirksamkeit
Acht Wochen lang leben die Kinder auf einer idyllischen Alm. Mitten in der Natur erleben sie Gemeinschaft und vertrauensvolle Beziehungen zu Kindern in einem vergleichbaren Lebensabschnitt, zu Erwachsenen, zu Tieren, zur Natur und zu sich selbst.
Sie gestalten ihren Tageslauf gemeinsam: Tiere versorgen, Brot backen, kochen, Heu machen – ein Leben in Bewegung, anstrengend und erfüllend. Sie verbringen viel Zeit an der frischen Luft, die Weite des Himmels über sich, sehen hoch oben den Bussard kreisen, entdecken Tierspuren und die Düfte von Wildkräutern und vieles mehr. Die Welten von Astrid Lindgren (Die Kinder aus Bullerbü, Michel aus Lönneberga) werden zur Realität und Potentiale haben Raum zur Entfaltung. Dennoch wird auf eine hohe Kultur der Kommunikation, der gegenseitigen Wertschätzung, des Achtens von Grenzen und der Übernahme von Verantwortung geachtet – also kein wildes Leben, sondern ein natürliches Leben!
Kinder mit einer AD(H)S-Diagnose und ihre Familie haben meist eine jahrelange Erfahrung hinter sich mit Frustrationen, Verunsicherungen, Konflikten, Abwertung und Angst. Diese Erfahrungen führen zu einem dauerhaften Stress-Zustand, der die geistige, emotionale und körperliche Integrität des Kindes massiv gefährdet. Hier wollen wir den Familien Unterstützung anbieten.
In einer Atmosphäre der Geborgenheit und klaren Struktur können die Kinder schon nach kurzer Zeit Spannungen und Ängste loslassen. Schritt für Schritt lernen sie einen neuen Weg im Umgang mit den Anforderungen des Umfeldes und den eigenen Impulsen. Genau das wird von ihnen in der Schule erwartet.
Räumliche Verortung und Ausstattung
Die Kids leben gemeinsam mit ihren Betreuern und Therapeuten auf einer Alm in Südtirol. Einfachheit, fernab der Konsumwelt, Abgeschiedenheit, idyllische Natur und eigene Tiere, die versorgt werden müssen, machen die Qualität des Platzes aus.
Es ist alles da, was die Kids zu einem erfüllten und kreativen Leben miteinander und in der Natur brauchen: Eine kleine Werkstatt; Spiele aller Art; Räume und Ausstattung für Bewegung und Sport; Musikinstrumente; Material für Kunstaktionen; Ausstattung zum Kochen, Backen, Herstellen von Joghurt, Käse, etc.
Das Team
Für die gesamte Dauer des Almaufenthaltes gibt es ein festes Betreuerteam in einem hohen Personalschlüssel, zu dem die Kinder verlässliche Beziehungen aufbauen können. Neben pädagogisch-therapeutischer Qualifikation und Erfahrung haben die Bezugsbegleiter der Kinder verschiedene lebenspraktische Schwerpunkte, z. B. Erfahrung und Freude im Umgang mit Natur und Tieren; Zubereitung von Lebensmitteln; handwerkliches Geschick etc.. Sie sollen selbst mit Freude tätig und aktiv sein. So bieten die unterschiedlichen Betreuer den Kindern eine Vielfalt an kompetenten Vorbildern.
Daneben stehen Therapeuten und Fachleute zur Verfügung, die nur zeitweise vor Ort sind und das Leben auf der Alm unterstützen.
Alle Mitarbeiter werden intensiv in die Konzeption eingeführt, haben jederzeit Kontaktmöglichkeit zu den Fachleuten im Hintergrund und erhalten darüber hinaus regelmäßig Supervision. Von allen Betreuern wird ein polizeiliches Führungszeugnis und ein ärztliches Attest verlangt.
Pädagogisch-therapeutische Schwerpunkte:
Gestaltung des Lebens- und Lernraumes
Wir legen größtmöglichen Wert auf die Bereitstellung einer Umgebung mit Aufgaben und Herausforderungen, die für die Kinder unmittelbar Sinn machen: Das Management der täglichen Aufgaben und des Zusammenlebens wird so weit wie möglich in die Verantwortung der Kinder gelegt. Sie werden in alle Aufgaben des täglichen Lebens einbezogen. Sie übernehmen eigene Verantwortungsbereiche, z.B. bei der Versorgung von Tieren. So sind sie eingebettet in ein großes Werk: Es geht nicht um Beschäftigung oder erlebnispädagogische Angebote, die nicht in einem Sinnzusammenhang stehen. Sie sollen die Erfahrung machen, wie strukturiert und gut sie sich im Leben fühlen, wenn sie bei etwas Wichtigem mitmachen!
Eine rhythmische Tages- und Wochenstruktur ist Voraussetzung für das vielfältige Lernen und Tätig-Sein.
Natur und Tiere als Ressource für Veränderung und Wachstum
- Tiergestützte Förderung durch Begegnung und Versorgung (Soziofeedback-Methode nach Rauschenfels)
- Atmosphäre durch die Tiere als Teil der Gemeinschaft
- Erkundung der Umgebung und in Teilen Kultivierung und Gestaltung (Anbau von Gemüse, Gewürzen, etc.)
Raum für Kreativität, Feiern und Spiel
Schöpferisch zu sein ist ein Zugang zum Leben. Kinder können das, was sie innerlich umtreibt, nach außen bringen und damit verwandeln. Für viele Kinder ist künstlerischer Ausdruck ein Zugang zum Erleben ihrer Einzigartigkeit.
Je nach Interessen der Kids und der Betreuer gibt es viele verschiedene Möglichkeiten des persönlichen Ausdrucks: Auch auf einer Almhütte kann man kreativ sein! Musik, Theater, gemeinsame Kunstaktionen, Vieles ist möglich.
Wir nützen jeden Anlass zum Feiern. Feiern heißt Freude am Leben, gegenseitige Wertschätzung und Würdigung unserer Arbeit!
Ein starkes Team: Gemeinschaftlich Potentiale entwickeln
Wir unterstützen die Kinder dabei, ein starkes Team zu werden. Nur, wenn alle konstruktiv zusammenarbeiten, können die Aufgaben auf der Alm bewältigt werden! Wir bieten gemeinschaftsstärkende Maßnahmen, wobei die Begleiter ermutigen und ihre Aufgabe als kompetente Gruppenprozess- und Konfliktbegleiter wahrnehmen. Sie sind Vorbilder und Mitgestalter einer positiven Peer- Kultur.
Tägliche Council-Arbeit (Teamkreis), eine Form des Gruppenrates der Indianer, ist ein bedeutsamer Bestandteil des sozialen Lebens auf der Alm. Diese Methode hat sich in den letzten 30 Jahren hervorragend bewährt. In der vertrauten Gemeinschaft können die Kinder sich mit dem sozialen Umfeld beschäftigen.
Ebenso bietet sich die Chance, das Modell des inneren Teams – dem Zusammenspiel eigener, unterschiedlicher Anteile – für das Optimieren des Selbstmanagements zu nutzen. Mal ist das innere „Energiebündel“ gefragt, mal der Anteil, der sich konzentrieren kann.
Und die Kids erfahren täglich, dass sie nicht auf die Diagnose Aufmerksamkeitsdefizit und Hyperaktivität zu reduzieren sind. Gemeinsam und in einer intensiven Form ist diese Entdeckungsreise einfacher und effizienter.
Und die Eltern?
Nicht nur die Kinder erhalten die Möglichkeit zu Wachstums- und Reorganisationsprozessen. Auch die Eltern bekommen kompetente Unterstützung. Auf dem Hintergrund unserer systemischen Herangehensweise planen wir folgende Angebote für die Eltern:
- Persönliches Vorgespräch mit der ganzen Familie. Eltern werden als kompetente, wertvolle und aktive Mitgestalter in den Heilungs- und Entwicklungsprozess eingebunden.
- Elternseminar zum Anfang der Therapie: Hier soll Raum geschaffen werden für ihre Sorgen und Nöte nach dem Prinzip: Eltern stärken Eltern. Auch hier arbeiten wir ressourcen- statt defizitorientiert.
- Besuchstage auf der Alm: Die Eltern dürfen ein wenig teilhaben am Leben auf der Alm. Sie erleben ihre Kinder in dem vollkommen anderen Umfeld anders und werden so mit ihnen neue Erfahrungen machen.
Wieder zu Hause…
- Eine enge Zusammenarbeit mit betreuenden Ärzten, Therapeuten, Lehrern, sowie mit den Eltern wird angestrebt, um die Langzeit- und Transferwirkung durch die Integration des Erlernten in die heimische Umgebung zu sichern.
- Nach der Zeit auf der Alm findet ein Treffen mit den Familien statt.
- Über Mail und das Internetforum Via nova haben die Kinder auch nach der Maßnahme die Möglichkeit, mit den Wegbegleitern von Via nova Kontakt zu halten.
- Eine Selbsthilfe-Initiative mit Coaching bietet Möglichkeiten des Austausches.
- Darüber hinaus bietet ein persönlicher Mentor, der etwa 10-15 Jahre älter ist und individuell ausgewählt wird, Orientierung und Ansporn. Hier findet eine Zusammenarbeit mit einer Non-Profit-Organisation statt, die Schüler und junge Berufstätige zu einem win-win-Team zusammenfügt. Sie verbringen Zeit miteinander und profitieren von ihrer Unterschiedlichkeit.
Dokumentation
Die prozessbegleitende Dokumentation aller Teile der Therapie, von den Vorgesprächen, über Beobachtungen und Beschreibung von Entwicklungsverläufen auf der Alm, bis hin zur Zusammenarbeit mit den Eltern, mündet in einem Abschlussbericht mit Empfehlungen für die Zeit nach der Rückkehr. Diese Portfolio-Dokumentation findet in Zusammenarbeit von Eltern, Kindern und Betreuern statt.
Auch die Dokumentation drückt die Grundhaltung der Erwachsenen aus: Es geht um eine ganzheitliche (Selbst-)Wahrnehmung der Kinder, respektvolle Beschreibungen ohne Beurteilung und Abwertung.
Qualitätssicherung
- Fachlicher Austausch mit kompetenten Partnern aus Forschung und Praxis bei der Konzeptentwicklung
- Regelmäßige Team-Supervision auf der Alm
- Tägliche Kontaktmöglichkeit für das Betreuerteam zu Fachleuten im Hintergrund
- Wissenschaftliche Begleitung während des gesamten Prozesses durch Prof. Dr. Gerald Hüther
Verantwortliche und Berater
- Wissenschaftliche Leitung und Konzeptinitiative: Prof. Dr. Gerald Hüther, Neurobiologe an den Universitäten Göttingen und Mannheim/Heidelberg, sowie Vorsitzender des Stiftungsrates der SINN-STIFTUNG.
- Interdisziplinäres Experten-Team: Dr. med. Gunther Schmidt (Milton-Erikson-Institut, sysTelios-Klinik), Prof. Dr. Werner Michl, Kurt Thünemann (win2win gGmbH; Dipl. Soz. Päd.), Dr. med. Helmut Bonney, Prof. Dr. Günther Opp, Rolf Merten (Dipl. Psych./ Dipl. Betriebswirt), Dr. Thomas Müller, Martin Schuster (Montessori-Lehrer)
- Das Experten-Team von Via nova arbeitet kontinuierlich an der praktischen Weiterentwicklung und nimmt Erfahrungen und Neuerkenntnisse auf.
- Projektmanagement: Adelheid Tlach-Eickhoff, Dr. Walter Paris (Geschäftsführender Präsident der Lessing Hochschule Meran, Südtirol)
- Wirtschaftliche Leitung und Controlling: Stefan Günzinger (Dipl. Betriebswirt (FH))
- Therapeutisch-pädagogische Leitung: Christian Rauschenfels
- Träger: SINN-STIFTUNG Kinder. Lernen. Zukunft.
Kompetenzpartner
- win2win gGmbH (www.win2win-ggmbh.de)
- Inselhaus Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung (www.inselhaus.org)
- „die komplizen“ (www.die-komplizen.org)
Literatur:
- Leuzinger-Bohleber/Brandl/Hüther: AD(H)S- Frühprävention statt Medikalisierung, Göttingen 2006
- Günther Opp/Nicola Unger: Kinder stärken Kinder, Hamburg 2006
- Gerald Hüther/Helmut Bonney: Neues vom Zappelphillip, Düsseldorf 2006
- Udo Baer: Innenwelten Hyperaktiver Kinder, Neukirchen-Vluyn 2005
- Henning Köhler: War Michel von Lönneberga aufmerksamkeitsgestört? Stuttgart 2002
- Remo Largo: Kinderjahre, Zürich 2000
- Gunther Schmidt: Einführung in die hypnosystemische Therapie und Beratung, Heidelberg 2005
- Helmut Bonney: AD(H)S- Kritische Wissenschaft und therapeutische Kunst, Heidelberg 2008
- Werner Michl: Erlebnispädagogik, Stuttgart 2009


